Leistung ist gut, „Vitamin B“ ist besser. Gerade im Praktikum ist Netzwerken wichtig für die Zukunft. Frank Walicht, Autor des Buchs „Networking“, verrät wie es geht – und warum Schweigen manchmal die beste Qualifikation ist
MUT ZUR PRAXIS : Das Wort „Netzwerken“ klingt für viele zunächst abschreckend: Ist richtiges Netzwerken anrüchig?
FRANK WALICHT: Ich denke nicht. Jeder netzwerkt in seinem Alltag. Das beginnt schon damit, dass man die Nachbarin auf ein Sonderangebot im Supermarkt hinweist. Die private Beziehung wird damit um eine geldwerte Komponente ergänzt. Netzwerken im beruflichen Zusammenhang wird oft vorsichtiger gehandhabt. Wenn ich jemanden für eine freie Stelle empfehle, fällt eine mögliche Unzufriedenheit auf mich zurück. Da ist in der Tat Vorsicht geboten. Doch das sollte niemanden davon abschrecken, im Beruf sinnvolle Kontakte zu knüpfen.
Mit welchem Ziel?
Ich schreibe in meinem Buch: Netzwerken ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck – im Grunde geht es dabei langfristig um die Steigerung von Einkommen und Einfluss. Gerade Berufsanfänger unterschätzen die Wichtigkeit guter Kontakte.
Praktikanten sollten gerade die Entscheidungsträger kennen lernenFrank Walicht
Wenn ein Praktikant am ersten Tag ins Unternehmen kommt: Sollte er versuchen so schnell wie möglich alle Kollegen aus der Abteilung kennen zu lernen?
Das Ziel eines Praktikums ist nicht nur, Berufserfahrungen zu sammeln. Es geht natürlich auch darum, relevante Leute kennen zu lernen, die einem später vielleicht einen Job vermitteln. Dabei sollen die Neulinge darauf achten, die Kollegen jeder Hierarchiestufe mit Respekt zu behandeln. Auch Sekretärinnen und Hausmeister können sehr hilfreich sein. Dennoch sollten Praktikanten gerade die Entscheidungsträger kennen lernen und bei ihnen punkten. Sie bestimmen schließlich, wer demnächst in ihrer Mannschaft mitspielt.
Und wie komme ich mit den relevanten Kollegen ins Gespräch?
Gerade als Praktikant hat man die Chance, die wichtigen Kollegen höflich nach einem gemeinsamen Essen in der Kantine zu fragen. Dort können die Berufseinsteiger zum Beispiel erzählen, wie und warum sie ins Unternehmen gekommen sind. Und sie können die Kollegen fragen, ob sie ihnen Tipps mit auf den Weg geben wollen. Wenn sich das Gespräch gut entwickelt, kommt man automatisch auf Themen zu sprechen, die die Führungskraft persönlich interessieren. Das können zum Beispiel ihre Hobbys, aber auch besondere Projekte im Unternehmen sein. Gerade eine persönlichere Basis entscheidet über die Qualität der Beziehung.
Was denken Sie: Sollen Praktikanten bei Konferenzen auf sich aufmerksam machen oder lieber zurückhaltend sein?
Das ist schwer zu sagen. Ich empfehle grundsätzlich, sich eher ruhig zu verhalten. Besonders im konservativen Umfeld sollte man lieber zunächst zuhören bevor man etwas sagt. Das kann jedoch in kreativen Branchen – zum Beispiel in einer Werbeagentur – ganz anders sein. Hier wird häufig erwartet, dass gerade Neulinge ihre unverbrauchte Meinung sagen.
Man kann nur solche Kontakte halten, die man zuvor auch aufgebaut hatFrank Walicht
Wann ist ein guter Zeitpunkt sich zu erkundigen, ob aus dem Praktikum eine längerfristige Stelle werden könnte?
Gegen Ende eines Praktikums kann jeder erwarten, dass es ein beurteilendes Gespräch gibt. Und wenn das nicht automatisch erfolgt, darf der Praktikant seinen Chef darum bitten. Wenn sich in diesem Gespräch herausstellt, dass der Chef zufrieden mit der Arbeit war, kann man fragen, ob aus Sicht der Führungskraft eine gemeinsame berufliche Zukunft denkbar ist.
Wie gelingt es Praktikanten nach Beendigung ihrer Arbeit Kontakt zu den Kollegen zu halten?
Frank Walicht: Generell gilt, dass man nur solche Kontakte halten kann, die man zuvor auch aufgebaut hat. Wenn sich jemand kaum mit den Kollegen unterhalten hat, wirkt es seltsam, wenn er sich später praktisch aus dem Nichts meldet. Daher ist es besser, wenige intensivere Kontakte aufzubauen als zahlreiche oberflächliche Bekanntschaften zu sammeln. Bei intensiven Kontakten kann man sich dann auch problemlos per E-Mail oder Telefon melden. Auch bei seinem Chef, vorausgesetzt man hat einen guten Eindruck hinterlassen.
Auf Online-Kontakte müssen Offline-Kontakte folgenFrank Walicht
Haben Sie denn einen Tipp, mit welchem Anliegen ein Praktikant bei seinem ehemaligen Chef anrufen könnte?
Frank Walicht: Man sollte möglichst einen konkreten Anlass für seinen Anruf haben. Führungskräfte werden zum Beispiel regelmäßig für Vorträge an Hochschulen eingeladen. Ein ehemaliger Praktikant könnte seinen Ex-Chef zum Beispiel für so einen Vortrag vorschlagen und ihn dann natürlich persönlich kontaktieren – solche Einladungen werden in der Regel gerne angenommen. Und selbst wenn nicht, fühlt sich der Chef dennoch sicher geehrt. Mögliche Anlässe wären aber auch Einladungen zu Hochschulmessen oder Kulturevents im studentischen Umfeld.
Was halten Sie von Online-Netzwerken wie Xing?
Frank Walicht: Online-Netzwerke können sehr hilfreich sein – gerade um jemanden problemlos kennen zu lernen. Insbesondere „Freunde von Freunden“ sind sehr leicht zu erreichen. Nach diesem Online-Kontakt muss aber früher oder später ein Offline-Kontakt folgen. Denn nach wie vor geht nichts über persönliche Kontakte.
Erst sitzt ihr im Hörsaal, später lest ihr Bücher, irgendwann schreibt ihr Prüfungen. Universität bedeutet Theorie. Leider: Arbeitgeber aber wollen praktische Erfahrung. Daher fordert euch die Initiative MUT ZUR PRAXIS auf: Auch wenn das Studium länger dauert – nehmt euch Zeit für Praktika! Damit ihr wisst, was euch im Büro, in der Werkstatt, im Labor erwartet.
Wir helfen euch Mutigen. Besucht dazu einfach unsere Facebook-Seite. Warum? Weil ihr nur hier mit den Menschen in Kontakt kommt, die entscheiden, wer in Zukunft bei Adidas, Audi oder Allianz arbeitet: den Mitarbeitern der Personalabteilung. Nur bei uns erfahrt ihr, auf was es beim Berufseinstieg wirklich ankommt.



An der Uni habe ich... versucht meinen Horizont zu erweitern
Ich finde, dass Praxis... wichtig ist, um zu entscheiden, was nach all den Seminararbeiten kommen soll
Als Praktikant durfte ich... Wasserrutschen testen, die Akropolis besteigen und Harald Schmidt einen Kaffee servieren
Für meinen Traumberuf habe ich... den großen Sprung von Südost- nach Südwest-Deutschland gewagt
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