Praktikum im Morgenland

Aus heiterem Himmel ab nach China

Gerade noch Praktikant in Deutschland, plötzlich Schulungsleiter in Shanghai: Jens Gehlen ging spontan für fünf Monate nach China. Von dort brachte er etwas von unschätzbaren Wert für sich mit

Spontan nach China: In Shanghai konnte Jens Gehlen sein Organisationstalent erproben und ausbauen - ein großer Vorteil für seine berufliche Zukunft (Quelle: Continental)


Für einen fünfmonatigen Aufenthalt in China gibt es viel zu planen. Doch dazu hatte Jens Gehlen keine Zeit: Bei ihm hieß es ganz plötzlich Kofferpacken. Aus heiterem Himmel wurde ihm von Continental ein Praktikum in Shanghai angeboten. Er nahm ohne zu zögern an – und zwei Wochen später landete er schon in der chinesischen Millionenstadt.

Ein überraschendes Angebot

Das halbes Jahr zuvor hatte der Student der Wirtschaftsinformatik ein Pflichtpraktikum, was ihm seine FH vorschrieb, bei Continental in Deutschland absolviert. Seine Aufgabe: Ein neues Projekt planen und entwickeln. Seine Vorgesetzen waren überzeugt von Jens’ Arbeit und am Ende des Praktikums kam das für ihn überraschende Angebot seines Betreuers: Ein weiteres, nun aber freiwilliges Praktikum am chinesischen Standort des Unternehmens. Dort sollte er dieses Projekt selbstständig den dortigen Kollegen näherbringen. „Das passte vom thematischen Gesichtspunkt her optimal“, erklärt der 28-Jährige diese einmalige Chance, die er sich auf keinem Fall entgehen lasse wollte. Dafür beantragte er gerne ein Urlaubssemester, obwohl sich dadurch der Beginn seiner Abschlussarbeit um sechs Monate nach hinten verschob.

Überwältigend: Ganz anders als Deutschland

Die ersten Eindrücke in Shanghai waren überwältigend für den deutschen Studenten: „Ich wurde bei meiner Ankunft von allem erschlagen. Es war zunächst schwer, das alles zu verarbeiten: Die Gebäude waren riesig, einfach gigantisch. In der Metro wimmelte es von Menschen. Es war komplett was Anderes, so was kennt man von Deutschland nicht.“ Sprachliche Vorkenntnisse hatte er keine. Aber zum Glück lief sein gesamter Arbeitsalltag auf Englisch ab, viele seiner Ansprechpartner im Konzern konnten Deutsch. So fiel Jens das Eingewöhnen leicht: „Schon nach zwei Monaten habe ich das alles, was mich am Anfang so beeindruckt hat, gar nicht mehr bemerkt“, erzählt er rückblickend.

Nur das Ergebnis zählt

Sein Aufgabenbereich war bereits vor seiner Abreise klar abgesteckt worden: Er sollte in Shanghai Schulungen für das neue Projekt geben, damit die chinesischen Kollegen es übernehmen und umsetzen können. Soweit war das klar, aber mit einer Sache hatte Jens jedoch nicht gerechnet: der grundsätzlichen anderen Arbeitsatmosphäre. Diese ist, erklärt er, nicht mit der in Europa zu vergleichen: „Ich konnte mir meine Zeit völlig frei einteilen und meine Aufgaben so strukturieren, wie ich es wollte. Am Ende kommt es nämlich nur auf das Ergebnis an.“ Das war für ihn am Anfang ungewohnt, doch schon nach der ersten Woche begann er, dieses neue Arbeitsgefühl zu genießen: „Es war toll, alles eigenständig planen und verwirklichen zu können. Das alles – die Arbeit, das Land, die neuen Erfahrungen – haben mich menschlich definitiv weitergebracht.“

Heimkehr als Organisationstalent

Inzwischen arbeitet Jens in Deutschland an seiner Abschlussarbeit. In Zeitdruck oder chaotische Arbeitsabläufe gerät er dabei nie: Sich selbst zu organisieren hat er ja schließlich gelernt.


von Annette Persch

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