Praktikum in der Tierklinik

Naschkatzen auf dem OP-Tisch

In seinem Praktikum wollte Kai mehr lernen als Katzen zu kastrieren. Daher ging er zur Tierklinik Gessertshausen, wo Löwen, Frösche oder Schlangen auf dem OP-Tisch liegen

Kai Gerstenberger erlebt im Praktikum seine erste OP an einem Löwen (Quelle: Tierklinik Gessertshausen)

Die Operation verzögerte sich, weil Gamba und Salim in den vergangenen Wochen zu viel Schnee geschleckt hatten. Gamba und Salim sind Zirkus-Löwen. Weil Inzucht in der Löwenfamilie drohte, sollten die beiden Männchen in der Tierklinik Gessertshausen kastriert werden. Doch wegen ihrer Schnee-Nascherei bekamen die Tiere kurz vor der OP einen akuten Durchfall. So pflegten die Tierärzte erstmal die Raubkatzen in einem Käfig in Gessertshausen gesund, bevor der Gabelstapler sie zum Operationstisch abholte. „Die Kastration eines Löwen funktioniert eigentlich wie bei einer normalen Katze – nur die Umstände sind etwas komplizierter“, sagt Kai Gerstenberger. Allein dies hätte er aus seinen Büchern nie so anschaulich wie in der Praxis gelernt.

Praktikum in Dauer-Bereitschaft

Seit Dezember arbeitet Kai Gerstenberger in der Tierklinik Gessertshausen in der Nähe von Augsburg. Der Student im 9. Semester hätte sein Pflichtpraktikum auch in einer gewöhnlichen Tierarztpraxis absolvieren können. Doch statt – wie viele seiner Studienkollegen- im Praktikum nur Hunde und Katzen zu operieren, wollte er lieber die Behandlung exotischer Tiere erlernen. Daher lebt er gerade nicht in seinem Studienort München, sondern direkt in der Klinik-Anlage. Dort teilt er sich ein 4-Bettzimmer mit anderen Praktikanten und muss auch mal in der Nacht aufstehen, wenn ein Patient kläfft, miaut, quakt, trötet oder brüllt. Weil in Gessertshausen insgesamt 24 Tierärzte arbeiten, gibt es für jedes erdenkliche Tier einen Spezialisten: Neben Katzen und Hunden werden dort Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen, Schlangen, Vogelspinnen, Schildkröten, Wölfe und natürlich Löwen wie Gamba und Salim behandelt.

Viele Tierärzte für ein paar Löwen

„Die Löwen-OP und die Umstände drumherum war eine der aufwendigsten, die ich bisher erlebt habe“, sagt Kai Gerstenberger. Erstmal wurden die beiden Löwen mit einem Blasrohr und Spritzenpfeilen betäubt, dann mit dem Gabelstapler zum OP-Tisch gebracht und schließlich entfernte eine Tierärztin die Hoden der großen Raubtiere. Kai Gerstenberger kontrollierte während der Operation die Narkose. Ob er dabei Angst hatte? Er lacht: „Wir haben eine sehr fähige Anästhesistin.“ Für gefährlicher als gewöhnliche Tiermedizin hält der 25-Jährige seine Arbeit nicht, denn: „Auch ein Dobermann kann mal zubeißen.“ Die größere Herausforderung der Tiermedizin bei Exoten liegt seiner Meinung nach eher in der Unterschiedlichkeit der Patienten.

Auf Seite 2 erfährst du, was Schlangen bei Lungenentzündung hilft

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2 Kommentare

  1. Fan

    Extrem exotische und ungewöhnliche Praktikumswahl! Mutig und spannend!

  2. Erdbeertörtchen

    Lustig! Was es nicht alles gibt :-)

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