Karriereplanung

Die Netzwerker

Für gute Noten hilft Fleiß. Für gute Kontakte müssen Studenten nicht nur Leistung zeigen, sondern wachsam sein. Wie diese Mixtur zum Erfolg führt, wissen Patrick und Julia

Patrick Ewerszumrode und Julia Fohmann wissen, wie ein gutes Netzwerk zu beruflichem Erfolg führt (Quelle: MUT ZUR PRAXIS)

Julia Fohmann hat ihren Berufseinstieg der Nachbarin zu verdanken. Weil diese eine Redakteurin des Burda-Verlags kennt, kam die Politologie-Studentin auf die Idee, dort auch mal reinzuschnuppern. Die Bekannte der Nachbarin nahm Julias Bewerbung gleich mit in den Verlag und wenig später kam die Zusage für ein Praktikum. Dass ein gutes Netzwerk eine wichtige Grundlage für den späteren Job ist, sollte jedem Studenten klar sein. Und freilich ist für viele Berufseinsteiger das Kontakteknüpfen im Zeitalter von Facebook und StudiVZ ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Die negativen Assoziationen, die für manche mit dem Ausdruck „Vitamin B“ verknüpft sind, scheinen für die Online-Generation kaum Relevanz zu haben.

Das richtige Studium für Netzwerker

„Der Begriff Netzwerken ist für mich positiv besetzt – ganz einfach, weil ich damit noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe“, sagt Patrick Ewerszumrode. Seit zweieinhalb Jahren absolviert er ein duales Studium bei der Bertelsmann AG in Gütersloh. Während er montags und freitags die Uni für seinen Bachelor-Studiengang „International Management“ besucht, arbeitet er den Rest der Woche im Medien- und Servicekonzern. Die Chance, bereits während des Studiums Praxis-Erfahrung zu sammeln, ist für ihn nicht der einzige Vorteil seiner Ausbildung: „Da ich in verschiedenen Abteilungen eingesetzt werde,  habe ich sehr gute Möglichkeiten, Kontakte mit Mitarbeitern aus vielen Unternehmensbereichen zu knüpfen.“

Großes Unternehmen = viele Kontakte

Weil beim Bertelsmann-Standort in Gütersloh gut 10 000 Mitarbeiter arbeiten, profitiert Patrick Ewerszumrode gerade von der Größe des Unternehmens: „Wenn hier jemand zeigen kann, dass er besondere Fähigkeiten hat, bestehen gute Chancen, dass man ihn innerhalb des Konzerns weiterempfiehlt.“ Doch nicht nur die unternehmensinternen Kontakte hält der 23-Jährige für wertvoll. Seit einiger Zeit ist er Mitglied bei XING, LinkedIn, Facebook und StudiVZ. Vor allem beim Online-Business-Portal XING verlinkt er sich mit Kollegen oder Vertretern anderer Unternehmen, die er während seiner Ausbildung kennen lernt und bei denen der Kontakt sonst vielleicht abbrechen könnte. Für den Berufseinsteiger ist XING ein optimierter Ersatz zum klassischen Adressbuch – schließlich kann er mit diesem Netzwerk alte Verbindungen mit wenigen Mausklicks auffrischen.

Klasse statt Masse

Dass beim Netzwerken allerdings besonders die intensiv gepflegten Kontakte hilfreich sind, Klasse also vor Masse geht, hat Patrick Ewerszumrode schon erlebt: Zu Beginn seiner Ausbildung arbeitete er im Zentralen Personalwesen von Bertelsmann. Weil der Chef dort mit ihm zufrieden war und der Kontakt erhalten blieb, konnte er wieder in diese Abteilung zurückkehren – vorerst bis zum Ende seines dualen Studiums. Bei Julia Fohmann führte der gute Kontakt zum Chef nach dem Praktikum sogar zu einem zweijährigen Arbeitsvertrag: seit Oktober 2008 macht sie ein Volontariat bei der Zeitschrift „Lisa“. „Ich hab eigentlich direkt nach meinem Praktikum von meinem Chef ein Volontariat angeboten bekommen, aber da war ich noch mitten im Studium“, sagt die 24-Jährige. Um die Verbindung aber nicht einschlafen zu lassen, meldete sie sich immer mal wieder bei Geburtstagen oder an Weihnachten mit einer kurzen E-Mail. Und zwischendurch arbeitete sie in der Redaktion als Urlaubsvertretung. Als sie endlich ihren Uni-Abschluss hatte, wurde das Angebot für das Volontariat zwei Jahre später nochmal aufgefrischt: ganz ohne Probleme – dank guter Kontakte.


von Marion Stieglitz

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