Bewerbung

Vorsicht vor der Zeugnisfalle!

Ein gutes Zeugnis hilft, sich abzuheben. Doch was gut klingt, muss nicht positiv gemeint sein. Hier fünf Kriterien, die dir zeigen, ob dein Zeugnis hält, was es verspricht

Wer weiß, wie ein gutes Zeugnis aussieht, erspart sich großen Ärger (Quelle: MUT ZUR PRAXIS)

In eine vollständige Bewerbung gehören neben Anschreiben, Lebenslauf und Arbeitsproben auch unbedingt Zeugnisse. Wer gute Praktikums-Zeugnisse vorweisen kann, sichert sich gegenüber Mitbewerbern einen Vorteil und nimmt so schon die erste Hürde im Auswahlverfahren.

Generell gilt: Zeugnisse müssen wohlwollend klingen. Doch das macht die Entschlüsselung für den Bewerber umso schwerer, denn was sich positiv anhört, kann unter Umständen genau das Gegenteil bedeuten. Hinter vielen Formulierungen stecken Geheim-Codes, die Laien häufig nicht verstehen, aber dem neuen Arbeitgeber sehr viel über den Bewerber verraten.

5 Punkte, bei denen die Alarmglocken läuten sollten…

1. …wenn die Form nicht eingehalten wird:

In jedes Zeugnis gehören persönliche Angaben (Name, Geburtsdatum), Art und Dauer des Praktikums, die Beschreibung der Aufgaben, das Austrittsdatum sowie Unterschrift und Datum der Ausstellung. Außerdem muss das Zeugnis auf offiziellem Firmenpapier ausgestellt werden. Ist das nicht der Fall, wirkt das Zeugnis schnell unprofessionell und damit unglaubwürdig. Anders geknickte Ecken oder Flecken auf dem Papier – diese erwecken keinen guten Eindruck vom Bewerber, egal wie positiv der Inhalt ausfällt.

2. …wenn der Inhalt unvollständig ist:

Tätigkeitsbeschreibungen, Leistungs- oder Führungsbeurteilungen dürfen nicht fehlen. Es reicht nicht zu schreiben, was Frau Müller getan hat. Wichtig ist auch zu wissen, ob und wie sie ihr Ziel erreicht hat (Auffassungsgabe, Motivation, Teamfähigkeit, Erfolge).

3. …wenn Banalitäten hervorgehoben werden:

„Er war stets pünktlich…“ – steht diese Floskel als einzige Eigenschaft im Zeugnis, ist das ein schlechtes Zeichen, denn Pünktlichkeit wird in jedem Beruf vorausgesetzt. Diese Aussage zeigt dem Personalchef nur, dass dem alten Arbeitgeber keine nennenswerten, positiven Eigenschaften aufgefallen sind. Ähnliche Beispiele: Ein Außendienstmitarbeiter wird für „seine schöne Kleidung“ gelobt, oder der Buchhalter für „seine guten Kenntnisse im Grundrechnen“. Die Erwähnung des sehr guten Umgangs mit der Kaffeemaschine wäre blanker Hohn.

Ist dein Zeugnis ein Fall für den Papierkorb? Knacke den Geheim-Code und finde es raus (Quelle: MUT ZUR PRAXIS)

4.    …wenn Geheim-Codes verwendet werden:

Bestimmte Formulierungen sind mit Schulnoten zu vergleichen.
Sehr gut: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“; „äußerst gründlich“
Gut: „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“; „stets gründlich“
Befriedigend: „zu unserer vollen Zufriedenheit“, „sorgfältig und genau“
Ausreichend: „zu unserer Zufriedenheit“; „im wesentlichen sorgfältig und genau“
Ungenügend: „im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit“; „war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht“

Vorsicht ist geboten bei Aussagen wie: „er war stets bemüht“ (heißt: leider ohne Erfolg), „ohne Tadel“ (bedeutet: auch kein Lob), „hat durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen“ (könnte auf Alkohol am Arbeitsplatz hinweisen), „war seinen Arbeitskollegen gegenüber immer kontaktfreudig und einfühlend“ (gibt Aufschluss über sexuelle Kontakte im Kollegenkreis).

5.    …wenn auf eine Schlussformel verzichtet wird:

Danksagung für die (sehr) gute Leistung und wohlwollende Zukunftswünsche am Ende des Zeugnisses sind nicht Pflicht. Fehlen sie allerdings, macht das stutzig. Denn so können Chefs unterdurchschnittliche Leistungen des Praktikanten zum Ausdruck bringen, oder Hinweis darauf gegeben, dass das Beschäftigungsverhältnis nicht im Guten endete. Nach dem Motto: „ein Glück er/sie ist weg“ oder „keiner weint ihr/ ihm eine Träne hinterher“. Eine positive Schlussformel könnte zum Beispiel lauten: „Für ihre/ seine Mitarbeit bedanken wir uns und wünschen ihr/ ihm für die Zukunft alles Gute.“ Besser: “Wir bedauern sehr, dass … bei uns ausscheidet …”.

weitere Infos  findest du links im Info-Kasten


von Anne Gutacker

Ein Kommentar

  1. Ein Praktikant

    Gut zu wissen! Jetzt bin ich richtig gespannt auf mein Zeugnis, damit ich mich an die Dechiffrierung machen kann… :-)

Zurückschrei(b)en!