An einem Holztisch auf der Veranda eines Lehmhauses sitzt ein Junge und malt. Er soll aufmalen, wie ein perfekter Tag für ihn aussieht. Er greift nur zu einer Farbe. Das Bild ist komplett schwarz.
Isabel Schütt sitzt in einer Ergotherapiepraxis bei Offenburg in Baden-Württemberg am Schreibtisch und erinnert sich an diese Szene: „Seine Mutter ist Alkoholikerin und hat ihn im Suff mit kochend heißem Wasser den Arm verbrüht.“ Sechs Jahre ist es her, dass die 26-Jährige ein Praktikum im Kinderdorf Te Amo in Chile absolvierte. Nach dem Abitur hatte sie keine rechte Vorstellung, was sie beruflich machen wollte. Irgendwas mit Kindern. Erzieherin kam für sie jedoch nicht in Frage. „Ich will therapeutische Ansätze verfolgen, Problemen auf den Grund gehen.“ Eine Freundin erzählte ihr von dem Schweizer Betreuungsprojekt für Waisen und misshandelte Kinder in Chile. Das schien perfekt für die Abiturientin zu sein.
November 2004: Als Isabel bei einem Ausflug mit den Kindern auf der Ladefläche eines Pickups sitzt, guckt ein Junge in den Himmel und weint. Sie spricht ihn an, er dreht sich weg. Gutes Zureden hilft nicht. Die Praktikantin nimmt ihn in den Arm. „Da oben ist meine Mama“, schluchzt er. Der Junge lebt im Kinderdorf, weil sein Vater zu arm ist, ihn zu ernähren. Aber der Papa kommt jeden Sonntag zur Besuchszeit, um mit seinem Sohn zu spielen. Beiden zerreißt es jedes Mal das Herz, wenn sie sich wieder trennen. Und das ist noch einer der guten Fälle.
Viele der kleinen Dorfbewohner wurden zu Hause misshandelt. „Ihre schlimmen Vorgeschichten haben sie sehr misstrauisch gemacht. Es war schwer, an sie ran zu kommen“, erzählt Isabel. Zwei Schwestern wurden vermutlich von ihrem Opa missbraucht. Der Mann kommt dennoch jeden Sonntag zu Besuch. Die Mädchen stürmen zwar auf ihn zu. Echt ist ihre Freude aber nicht. Die Unsicherheit und Angst der Kinder müssen Isabel und die zwei festen Mitarbeiterinnen der Einrichtung hinterher auffangen. „Diese Mädchen können mit männlichen Erwachsenen überhaupt nicht normal umgehen. Ich habe versucht, ihnen zu erklären, dass nicht jeder Mann so ist wie ihr Opa. Aber das wird die beiden Schwestern ihr Leben lang verfolgen.“
Auf Seite 2 erfährst du, wie Isabel durch das Praktikum zu ihrem Traumjob gefunden hat
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Erst sitzt ihr im Hörsaal, später lest ihr Bücher, irgendwann schreibt ihr Prüfungen. Universität bedeutet Theorie. Leider: Arbeitgeber aber wollen praktische Erfahrung. Daher fordert euch die Initiative MUT ZUR PRAXIS auf: Auch wenn das Studium länger dauert – nehmt euch Zeit für Praktika! Damit ihr wisst, was euch im Büro, in der Werkstatt, im Labor erwartet.
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An der Uni habe ich ...
unfassbar viel gelernt – allerdings mehr fürs Leben, als fürs Studium
Ich finde, dass Praxis …
mehr Wert ist, als mit Geld aufzuwiegen wäre. Praktische Erfahrungen nehmen dir Illusionen und bringen dich dadurch deinem Ziel näher
Als Praktikant durfte ich ...
vom Landkarten falten bis zur Undercover-Recherche viel erleben. Nichts davon möchte ich missen
Für meinen Traumberuf habe ich ...
einige Umwege in Kauf genommen. Dafür weiß ich heute mein Glück umso mehr zu schätzen
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Echt mutig! Aber an wen konnte sich Isabel mit ihren Sorgen wenden?