
Eher konservativ oder doch risikofreudig: Die Wahl deines Lieblingskarussel verrät das dem Personaler (Quelle: Flickr, Nico Kaiser)
Auf die Frage nach den eigenen Schwächen freut man sich im Bewerbungsgespräch ja mittlerweile schon beinahe. Kann man hier durch vorbereitete ausgefeilte und fein ziselierte Antworten – insbesondere Pedanterie und Schokolade gelten landläufig als Geheimtipps – beim späteren Arbeitgeber punkten. Doch Personalchefs und deren Erfüllungsgehilfen greifen auch schon mal tiefer in die psychologische Trickkiste.
Eigenbrödler oder kontaktfreudig?
Bewerbungsgespräche und besonders Assessment Center werden dann bisweilen zu einer skurrilen Ansammlung von Fettnäpfchen und Fallstricken. Das geht meist ganz harmlos los. Fragt der Gegenüber: „Bleiben Sie abends lieber allein zu Hause oder gehen Sie mit Freunden aus?“ ist der Hintergedanke noch einigermaßen durchschaubar: Wenn ich jetzt zugebe, dass ich jeden Abend alleine vor dem Fernseher hocke, stempeln die mich als Eigenbrödler ab. Gehe ich öfter unter Leute bin ich kontaktfreudig und teamfähig. Wäre diese Klippe schon Mal umschifft.
Über das Verhältnis zu Mitreisenden
Auch die Frage, ob man während einer Zugfahrt eher die Aussicht genießt oder sich mit anderen Reisenden unterhält treibt dem Bewerber nicht zwangsläufig den Angstschweiß auf die Stirn. Der Hang zur malerischen Eisenbahnlandschaft offenbart angeblich Schüchternheit und Zurückhaltung. Unterhaltung mit Mitreisenden kennzeichnen dagegen einen selbstsicheren und aktiven Typ… wer schon das eine oder andere Mal einer Unterhaltung im Zug gelauscht hat wird das bezweifeln!
Welcher Beruf soll’s denn sein?
Durchschaubare Fragen bisher. Entgeisterte Blicke wird der Personalchef hingegen bei den nächsten Fragen ernten. „Wären Sie lieber Förster oder Lehrer?“ Manch einer wird seine Unsicherheit mit dem verzweifelten Bonmot zu vertuschen suchen, er habe sich hier doch um eine Stelle als Wirtschaftsmathematiker beworben. Kommt meist nicht so gut an. Mit Naturverbundenheit hat diese Frage jedenfalls nichts weiter zu tun. Vielmehr gilt der Förster als reserviert, der Lehrer hingegen als aufgeschlossen, auch wenn damit zahlreichen Förstern und Lehrern himmelschreiendes Unrecht angetan wird.
Der psychologische Fundus
Ausgesprochen kryptisch wirkt auch folgende Frage aus dem psychologischen Fundus: „Bewundern Sie die Schönheit eines Gedichts mehr als die präzise Verarbeitung eines Gewehrs?“ Mittlerweile vorsichtig geworden, möchte man mit einem „Och, beides schön!“ herausplatzen. Ist unter Umständen auch die beste Lösung. Denn wer das Gedicht vorzieht, der bekommt ziemlich schnell das Etikett „sensibel“ verpasst, wem hingegen die Flinte zusagt, den betrachtet der Fragesteller bestenfalls als „robust“, meistens wird am Rand der Bewerbungsunterlagen jedoch „grobschlächtig“ oder „rücksichtslos“ notiert.
Konservativer Kettenkarusselfahrer
Die nächste Frage „Fahren Sie lieber Kettenkarussell oder Achterbahn?“ wirkt da schon wieder harmlos. Immerhin keine Waffen! „Konservativ, beständig, sicherheitsliebend“ so sieht der psychologisch geschulte Personaler den Kettenkarussellfahrer. Achterbahnfans gehen Risken ein, widersprechen und verändern sich gerne… sind also „echte Kerle“. Und wenn wir schon bei echten Kerlen sind… „Duschen oder Baden Sie lieber?“ Das ist er: Der heilige Gral der psychologischen Teesatzleserei! Angeblich denkt maskulin, wer lieber duscht, und feminin, wer lieber in der Wanne liegt. Daraus vermag so mancher Seher… Verzeihung, Personaler, abzuleiten: Wer gerne Badet, dem mangelt es an Führungsstärke. Wenn der wüsste, dass man auch noch Kerzen auf den Wannenrand stellt…
Alle Bewerbungsfragen sind aus dem Buch “Assessment-Center für Hochschulabsolventen” von Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader, erschienen im Eichborn Verlag.
Erst sitzt ihr im Hörsaal, später lest ihr Bücher, irgendwann schreibt ihr Prüfungen. Universität bedeutet Theorie. Leider: Arbeitgeber aber wollen praktische Erfahrung. Daher fordert euch die Initiative MUT ZUR PRAXIS auf: Auch wenn das Studium länger dauert – nehmt euch Zeit für Praktika! Damit ihr wisst, was euch im Büro, in der Werkstatt, im Labor erwartet.
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An der Uni habe ich ... eigentlich gar nicht so viel ausprobiert und die Uni auch mal Uni sein lassen
Ich finde, dass Praxis ... schneller zum Erfolg führt: Machen, nich quatschen!
Als Prakikant durfte ich ... in China Karaoke singen... mit dem Chef... kein Spaß!
Für meinen Traumberuf habe ich ... oft meinem Bauchgefühl vertraut.
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