Bachelor-Studium

“Ohne Praktika geht’s nicht!”

Arbeitgeber wollen Absolventen mit Praxiserfahrung, hat die Kommunikationswissenschaftlerin Stefanie Flöck ermittelt. Wir haben mit ihr gesprochen

Probieren geht über Studieren! Dessen sollten sich auch zielstrebige Bachelor-Studenten bewusst sein (Quelle: fpp)

MUT  ZUR PRAXIS: Frau Flöck, Sie haben das Phänomen “Generation Praktikum” unter die Lupe genommen. Dieser Begriff wurde von Matthias Stolze geprägt, der 2005 so den Missstand betitelte, dass Uni-Absolventen mehrere Praktika absolvieren müssen, bevor sie eine Festanstellung bekommen. Besteht dieses Problem noch?

STEFANIE FLÖCK: Ja, aber nur zum Teil. Es geht heute vor allem darum, schon während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Zur “Generation Praktikum” zählen daher nicht in erster Linie die Absolventen, sondern vor allem die Studierenden. Es ergeben sich jedoch fächerspezifische Unterschiede: Vor allem Studiengänge mit einer breiten Berufsausbildung sind betroffen, also die Geistes- und Sozialwissenschaften. Studierende dieser Fachrichtungen haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie sich nicht frühzeitig um Praxis bemühen.

Sinnvoll wäre es, wenn Unternehmen Halbtags-Praktika anbieten, die mit dem Studienalltag vereinbar sind.Stefanie Flöck

Wie lässt sich Praxis mit dem stark verschulten Bachelor-System vereinbaren?

Das ist tatsächlich ein Problem. Obwohl ich die Bologna-Reform vom Grundgedanken her für gelungen halte, ist der wichtige Aspekt der Praxiserfahrung unbedingt verbesserungswürdig. Seit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse ist es für die Studierenden ungemein schwer, sich für freiwillige Praktika Zeit zu nehmen.

Was wäre eine Lösung?

Sinnvoll wäre es, wenn Unternehmen Halbtags-Praktika anbieten würden, die mit dem Studienalltag vereinbar sind. Unternehmen müssen sich auf die veränderten Studienbedingungen einstellen. Bisher sehe ich da zumindest in meiner Branche zu wenig Entwicklung. Zudem müssen freiwillige Leistungen von den Unis anerkannt werden. In Holland ist es längst üblich, für alle Praktika ECTS-Punkte zu vergeben. Viele Bachelor-Studenten sind derzeit nicht bereit, mehrere Monate Praktika zu machen, weil sie dadurch Gefahr laufen, gleich ein ganzes Studienjahr zu verlieren. Die Unterstützung der Uni würde sicher motivieren. Letztendlich geht es aber natürlich auch immer um die Einstellung und Prioritäten jedes einzelnen Studenten, um frühzeitig den Weg in die Praxis zu finden.

Stefanie Flöck schrieb "Generation Praktikum – Mythos oder Realität?" (Quelle: Privat)

Wie haben Sie im Studium praktische Erfahrungen gesammelt?

Ich habe in mehrere Bereiche hinein geschnuppert. Nur so konnte ich meinen Weg finden, denn das Studium der Kommunikationswissenschaften führt in viele Richtungen. Ich habe mich in der PR und auch im Journalismus ausprobiert. Zwei Semester lang habe ich nebenbei bei unserer Uni-Zeitung gearbeitet. Das war perfekt, denn so konnte ich praktisch arbeiten und parallel ganz normal studieren. In meinem Studiengang war zudem ein achtwöchiges Pflichtpraktikum vorgeschrieben, welches ich splitten konnte. Mein allererstes Praktikum waren daher sechs Wochen in einer PR-Agentur in München. Dieses zu bekommen war ein ganz schöner Kampf.

Warum?

Da ich keinerlei Berufserfahrung hatte, kamen auf meine zahlreichen Bewerbungen zunächst nur Absagen. Bereits für viele Praktika sind die Anforderungen hoch. Der Kampf hat sich aber gelohnt, denn Praxiserfahrungen sind unerlässlich.


von Verena Manhart

2 Kommentare

  1. Blätterwirbel

    Gut, dass immer mehr Unternehmen jetzt auch Teilzeit-Praktika anbieten! Sonst sind wir bald mehr Dichter & Denker, als uns lieb ist ;-)

  2. Gut, dass immer mehr Unternehmen jetzt auch Teilzeit-Praktika anbieten! Sonst sind wir bald mehr Dichter & Denker, als uns lieb ist
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