Was willst du werden?

Katrins Erkenntnis kam in Australien

Forschung statt Patientenkontakt: Psychologiestudentin Katrin entschied sich für ein Auslandspraktikum, obwohl ihr die Tätigkeit im Labor langweilig erschien. Aber so fand sie ihre Berufung.

Katrin H.

Katrin H. an ihrem Arbeitsplatz im Forschungslabor in Australien. Auf dem Bildschirm vor ihr sind sogenannte MRI-Bilder zu sehen (Quelle: Katrin H. privat)

Labor-Alltag?

In einem abgedunkelten Raum starren fünf Menschen in weißen Kitteln auf ihre Computer-Bildschirme. Im Takt ertönt das monotone Klicken von Computermäusen. Ein Wissenschaftler markiert per Mausklick auf den MRI-Bildern die auffälligen Gehirnareale. Blätterstapel mit Tabellen türmen sich auf den Tischen. So stellt sich Katrin das Arbeiten in einem Forschungslabor vor: Unspannend, ereignislos und dröge.

Das Problem

Katrin studiert im sechsten Semester Psychologie. Sie möchte Ihre Praxiserfahrungen in einem Praktikum im Ausland sammeln. Australien ist ihr absolutes Traumland. Dort möchte sie ihren Horizont erweitern und mit Patienten arbeiten.

Aber: Andere Länder, andere Sitten. In Australien werden die drei Jahre Diplom-Studium nicht einem Bachelor-Abschluss entsprechend akzeptiert. Und wer keinen Abschluss vorweisen kann – bei dem stellt sich die Versicherung quer. Deswegen darf Katrin zwar nach Down Under, aber nicht therapeutisch mit Patienten arbeiten. Was bleibt: Ein Praktikum in der Forschung: „Langweilig”.

Start in Australien

Drei Monate später. Katrin findet sich zusammen mit weiteren Wissenschaftlern im Labor wieder. Jeder vor seinem Computer und seinem eigenen Papierstapel. Jedoch dunkel und eintönig ist es nicht. Gebannt starrt Katrin auf ihren Bildschirm. Während sie im Takt ihre Computermaus zum Klicken bringt, unterhalten sich die übrigen Anwesenden in gedämpfter Lautstärke. Allerdings: „Ich hätte nie gedacht, dass Forschung so abwechslungsreich ist. Ich konnte Daten in Patienteninterviews erheben. Auch das Jonglieren mit Zahlen, Kernspin—Daten auswerten und vor allem das Markieren, per Mausklick, von betroffenen Gehirnarealen auf MRI-Bildern kann echt Spaß machen“, wird Katrin später erzählen.

MRI – ein kleiner Film, der in sekundenschnelle einen Einblick in das menschliche Gehirn ermöglicht (Quelle: www.youtube.com/gwdidg)

Katrin heute

Das Auslandssemester hat Katrins Leben positiv beeinflusst. Denn nach Beendigung ihres Psychologiestudiums arbeitet Katrin heute als Doktorandin in einer Forschungsabteilung. „Ich habe damals in Australien eine weitere Facette in mir gefunden. Und meine Erfahrungen dort haben mich bestärkt und mir Mut gemacht zu promovieren. Jetzt kann ich mit gutem Gewissen sagen: Forschung ist so was von spannend!“

Was ein Praktikum alles bewirken kann.


von Silvia Szill

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