
Gelungene Messevorbereitung: Nicole Gruber (4.v.r.) inmitten ihrer mexikanischen Kollegen (Quelle: Nicole Gruber)
Es waren ganz normale Bleistifte, die Nicole Gruber von ihrem Praktikum am mexikanischen Standort des Chemie- und Pharmaunternehmens Merck nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Denn diese Bleistifte stellten die damals 24-Jährige vor ein Problem, an das sie nicht einmal im Traum gedacht hatte.
Bereits zu Beginn ihres Studium der European Studies hatte Nicole Praxiserfahrung bei Merck in Deutschland gesammelt. Dank dabei gewonnener Kontakte erhielt sie im Sommer 2005 das begehrte Angebot, für drei Monate an den Unternehmensstandort nach Mexiko zu gehen. Ihre Aufgabe: Den dortigen Kollegen bei Messevorbereitungen helfen. Organisatorische Hürden musste die Studentin aus Passsau nicht bewältigen: Der Merck-Konzern stellte ihr sogar eine Gastfamilie, die sie freundschaftlich aufnahm. So hatte Nicole die Möglichkeit, das Land, die mexikanische Kultur und auch das Nachtleben von einer völlig anderen Seite kennenzulernen, als wenn sie auf sich allein gestellt gewesen wäre. „In Mexiko-Stadt ist es sehr unsicher, aber durch die Unterbringung bei der Familie von Kollegen spürte ich von Anfang an ein gewisse Sicherheit. Ich fühlte mich richtig wohl dort,“ erzählt Nicole.
Sprachlich gab es mit den Kollegen keine Probleme, irgendwie konnten sie sich immer verständigen. Nicole sprach bereits Spanisch, ihre Kollegen beherrschten etwas Englisch: „Wir sprachen dann eine Art Spanglish,“ was die ganze Arbeitsatmosphäre zusätzlich auflockerte. Zudem erhielt sie von ihrem Chef ein Bonbon, was mehr wert war als alle Bezahlung: Einzelunterricht bei einer Spanischlehrerin. Wann immer Nicoles Vorgesetzter seine Termine bei einer Privatlehrerin nicht wahrnehmen konnte, durfte die Praktikantin für ihn einspringen.
Doch nicht nur ihre erweiterten Sprachkenntnisse nahm Nicole aus ihrem Praktikum in Mexiko mit, sondern vor allem „das Verständnis, wie andere Kulturen in Situation anders reagieren. Das Teamwork mit anderen Kulturen war manchmal schwer. Unser deutsches Arbeiten und Planen ist schon stereotypisch. Es soll immer alles korrekt nach Plan funktionieren. In Mexiko sind alle viel lockerer, vor allem in Kleinigkeiten.“ Davon musste sich die deutsche Praktikantin gezwungenermaßen was abschauen, als sie über ein Hindernis stolperte, an das sie vorher niemals gedacht hatte: Für die Messe, an deren Vorbereitungen sie beteiligt war, bestellte Nicole Bleistifte in Deutschland. Diese sollten an Kunden verteilt werden. So war es fest eingeplant. Doch Nicoles Bestellung kam nie an: Sie wusste nicht, dass nach Mexiko keine Bleistifte eingeführt werden dürfen. Dank ihrer mexikanischen Kollegen nahm Nicole die gezwungene Änderung in ihren Plänen gelassener hin und merkte, dass es auch so funktionierte. „Diese Erfahrung hat mir die Augen geöffnet, wie ich besser Probleme lösen kann,“ resümiert sie begeistert. Und von diesen Soft Skills hat Nicole – das kann sie rückblickend sagen – in ihrem Studium und bei ihrer jetzigen Tätigkeit bei Merck profitiert: „Das Praktikum war eine glückliche Fügung.“
Erst sitzt ihr im Hörsaal, später lest ihr Bücher, irgendwann schreibt ihr Prüfungen. Universität bedeutet Theorie. Leider: Arbeitgeber aber wollen praktische Erfahrung. Daher fordert euch die Initiative MUT ZUR PRAXIS auf: Auch wenn das Studium länger dauert – nehmt euch Zeit für Praktika! Damit ihr wisst, was euch im Büro, in der Werkstatt, im Labor erwartet.
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An der Uni habe ich ... viel ausprobiert, um dann dort wieder zu landen, womit ich begonnen habe
Ich finde, dass Praxis ... hilft, sich über seine Stärken und Schwächen klar zu werden
Als Prakikant durfte ich ... gerne auch mal länger arbeiten und dafür morgens länger schlafen
Für meinen Traumberuf habe ich ... zum Glück (noch) nicht über Leichen gehen müssen
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