Überraschung im Praktikum

Mehr als nur Theater

Sein Praktikum bei der Inszenierung „Nathan der Weise“ hatte sich Dennis unaufgeregt vorgestellt. Doch die unkonventionelle Arbeit der Regisseurin zerstörte seine Erwartung – zum Glück

Im Freiburger Theater werden während der gesamten Spielzeit Praktika in den Bereichen Regie, Dramaturgie oder Pressearbeit angeboten (Quelle: MUT ZUR PRAXIS)


„Der schlimmste Fall wäre, wenn die Produktion platzt“, sagt Dennis. Damit dies nicht passiert, arbeiten er und die Künstler der Produktion „Nathan der Weise“ auch am Wochenende im Freiburger Theater. Der 27-Jährige macht ein Praktikum als Dramaturgie-Hospitant bis zum 18. Mai 2010. Dann soll „Nathan der Weise“ Premiere haben – auch wenn Dennis gerade nicht so recht weiß, was am Premierenabend auf der Bühne gezeigt werden soll.

Kein klassischer Weg

„Als ich gehört habe, dass ich für eine Inszenierung des Klassikers „Nathan der Weise“ zuständig bin, dachte ich an eine konventionelle Produktion“, sagt der Philosophie-Student aus der Uni Lüneburg. Zur Vorbereitung auf das Praktikum studierte er Lessings „Nathan der Weise“, die beliebte Schullektüre über Religionskonflikt und Toleranz. Den Text im Hinterkopf kam er zur ersten Probe – und musste feststellen, dass Lessings Werk bei dieser Inszenierung nur der Ausgangspunkt sein sollte. Denn die türkische Regisseurin Emre Koyuncuoglu, die bekannt ist für ungewöhnliche Inszenierungen, will sich dem berühmten Text im Freiburger Theater assoziativ nähern.

Diskussion mit den Schauspielern

In der Dramaturgie arbeitet Dennis viel mit Texten zum Theaterstück (Quelle: MUT ZUR PRAXIS)

Statt Szenen des Stücks nachzuspielen, sollten die Schauspieler improvisieren. Den Titel „Nathan der Weise“ wandelte die Regisseurin kurzer Hand in „Nathan schweigt“. Statt das Stück einzuüben, diskutieren Emre Koyuncuoglu und das Team über Religiosität, Werte und den Islam. Eigentlich hatte der 27-Jährige erwartet, dass er als Praktikant während der Proben ein stiller Beobachter sein würde. Doch gleich in den ersten Tagen wurde er aufgefordert ein Referat zum Thema „Aufklärung“ zu halten – seitdem ist er ein fester Teil des Teams und sitzt abends mit den Kollegen im Café um die Inszenierung zu besprechen: „Die Arbeit ist ganz anders als erwartet. Jeder wird nach seiner Meinung gefragt. So hab ich das Gefühl, dass viele meiner Ideen in die Produktion einfließen“, sagt Dennis.

Auf Seite 2 erfährst du, warum Dennis bei der Premiere von “Nathan schweigt” vielleicht selbst zum Schauspieler wird

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