Praktikum auf eigene Faust

Trotz Problemen dran bleiben – unbezahlbar!

Sie kämpfte mit der Fachhochschule, Behörden und der Post. Unsere Autorin wollte unbedingt ein Praktikum in Ungarn absolvieren. Und sammelte so eine Extraportion Lebenserfahrung

Ganz um den Bibliotheksdienst kam unsere Autorin auch im Goethe-Institut Budapest nicht herum (Quelle: Privat)

Mein Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement schreibt vor: Das Praxissemester muss in einer Bibliothek absolviert werden. Aber Bücher zu katalogisieren – das kam für mich nicht in Frage. Ich wollte was erleben, zudem etwas von der Welt sehen. Die Hochschule aber bietet nur Praktika in ihrer Datenbank wie: Verschlagwortung wissenschaftlicher Bestände der Landesbibliothek Baden-Württembergs. Also recherchiere ich auf eigene Faust. Meine Entscheidung fällt schließlich auf das Goethe-Institut – eine Einrichtung mit Bibliothek, aber auch anderen möglichen Arbeitsbereichen wie PR und Marketing. Die erste Zusage kommt aus London – zu teuer. Die zweite aus Lissabon – in Portugal war ich schon. Die dritte aus Ungarn – perfekt. In Osteuropa war ich noch nie.

Kein BAföG, keine Förderung

Ich mache mich also auf zum Büro des Auslandsbeauftragten meiner Fachhochschule. Der hört sich meine Geschichte an und sagt: „Nach Ungarn ist noch nie jemand gegangen. Da habe ich keine Erfahrung.“ Bedeutet: Er kann mir nicht helfen. Verunsichert gehe ich nach Hause. Dort angekommen wird mir klar: Aufgeben kommt jetzt nicht in Frage. Also hänge ich mich sofort ans Telefon, rufe selbst bei ERASMUS an und bitte um einen Bewerbungsbogen. Bei meiner Krankenkasse erkundige ich mich, ob ich eine extra Auslandskrankenversicherung brauche. „Nein, drei Monate decken wir mit ab“, antwortet die Kundenbetreuerin. „Und unsere neuen Krankenkassenkarten funktionieren in ganz Europa.“ Immerhin: Dank Europäischer Union brauche ich kein Visum beantragen. Dafür fällt mir bei einem Blick auf meinen Personalausweis auf, dass er abgelaufen ist. Also mache ich mich gleich auf den Weg zum Rathaus und lasse ihn verlängern.
Ein paar Tage später statte ich meiner Bank einen Besuch ab und beantrage eine Kreditkarte. Da ich schon mal da bin, bestelle ich gleich noch 50 Euro in ungarischen Forint, um ein Startkapital in der Tasche zu haben. Als ich meine Visacard in der Hand habe, fahre ich sofort nach Hause und buche online einen Flug. Noch sind meine Chancen auf ein billiges Ticket hoch. Allerdings ergibt sich dabei gleich das nächste Problem: Es dürfen nur 20 Kilo Gepäck mitgenommen werden. Lösung: Ich werde am Tag vor meinem Abflug zur Post gehen und dort weitere zehn Kilo Gepäck per Paket aufgeben.

Auf Seite 2 erfährst du, wie aus einem Praktikum zwei wurden

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5 Kommentare

  1. NY@heart

    Wow! Das nenn ich mal Einsatz. Denke, vielen hätten längst hingeschmissen, bevor es überhaupt los ging. Respekt für das Durchhaltevermögen!

  2. Kathi

    Hut ab vor dieser Leistung und dem Gewinn, den du dir selbst zuzuschreiben hast. Spitze!

  3. Franzi

    Ausgerechnet ungarisch – eine sehr komplexe Sprache. Das in einer so kurzen Zeit zu lernen – Wahnsinn. RESPEKT!

  4. T und M

    Sich so ein Praktikum selbst zu erkämpfen wie du das gemacht hast verdient wirklich großen Respekt- Du wirst dein ganzes Leben lang von dieser Erfahrung
    zehren können….Liebe Grüße

  5. Indieko

    Wir sind sooooo stolz auf Dich!!!!!!!!!! Trotz vieler Umwege hast Du Dein Ziel nie aus den Augen verloren und es schließlich geschafft. Hut ab!!!

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