
Miriam studiert Kunstgeschichte, Anglisitk und Psychologie. In Südafrika arbeitet sie als Reisepromoterin, bis ein glücklicher Umstand ihr die Chance verschafft, Ihr Studium für die Praxis zu nutzen (Quelle: privat)
MUT ZUR PRAXIS: Deine Reise nach Südafrika hat dich in die Townships von Kapstadt geführt: Wie kam das?
MIRIAM MOTZER: 2004 machte ich in Kapstadt einen Sprachkurs. Mein Lehrer bot damals eine Tour nach Kalkfontein, eines der dortigen Townships (also in die Armengegenden), an. Daran habe ich teilgenommen. Jedoch war dieser Ausflug ganz anders als die üblichen Townshiptouren, bei denen Touristen in Großgruppen mit Bussen einfach durch die entsprechenden Gegenden gefahren werden und sich alles nur durch die Scheiben anschauen.
Was war bei eurer Tour anders?
Als kleine Gruppe besuchten wir im Township die Leute in ihren Häusern zum Tee und Abendessen, gingen anschließen mit ihnen durch die Settlements, später zum Tanzen, Billard und ein Bier ins Shebeen (Kneipe). Das muss man sich wirklich in einem sehr privaten Rahmen vorstellen. Alles läuft auf ganz persönlicher Ebene ab. Es geht darum, dass Touristen so auch die andere Seite von Kapstadt hautnah kennenlernen.
Du hast deinen Sprachlehrer dann bei den Touren unterstützt…
Ja, genau. Als zwei Jahre später, nach meiner Zwischenprüfung, das geplante Auslandsjahr anstand, recherchierte ich nach dem besagten Township, seinen Bewohnern und meinem damaligen Sprachlehrer Iain Harris. Iain hatte sich inzwischen beruflich voll und ganz seiner Firma CoffeeBeansRoutes verschrieben. Ich mailte ihm und bot meine Mithilfe an. Meine Aufgabe war zunächst einmal, die Touren im Programm zu promoten, unsere Gäste zu begleiten und auch neue Touren zu entwickeln.
Aber was hatte das mit Kunst zu tun?
Nach und nach habe ich mich mit vielen Bewohnern Kalkfonteins angefreundet und wurde des Öfteren dorthin eingeladen. Bei den Besuchen kam mir dann die Idee, dass ich gerne ein Kunstprojekt für Kinder organisieren würde.
Und das hast du dann auch in die Tat umgesetzt?
Genau. Mein Plan war es dieses Kunstprojekt am Nachmittag für all jene anzubieten, die Lust dazu haben. Hierfür habe ich in Kalkfontein nach Räumlichkeiten gesucht und dann über Empfehlungen den Direktor der Primary School kennengelernt.
Aber mit ihm kam es zu einem Missverständnis?
Der Schuldirektor hat mich falsch verstanden oder – wie ich glaube – falsch verstehen wollen. Er fand die Idee total klasse und sagte dann: „Super, wir haben keinen Kunstlehrer, den können wir uns gerade nicht leisten. Es wäre wirklich toll, wenn du bei uns unterrichten würdest.“
Hast du dann als Lehrerin dort angefangen?
Ja, so in der Art. Ich war von da an jeden Freitag in der Schule und habe in einer fünften Klasse Kunst und Kultur unterrichtet.
Aber dabei ist es nicht geblieben…
Ich habe versucht, einen Austausch zwischen den Schülern des Kapstadt Townships und Kindern in Deutschland aufzubauen. Inhaltlich lief das beispielsweise so, dass die südafrikanischen Kinder Bilder malen sollten, wie sie sich Deutschland vorstellen. Das gleiche haben dann deutsche Kinder mit Südafrika gemacht. Alle Fragen, die hierbei entstanden sind, wurden dann von den Kindern im anderen Land beantwortet.
Wie lief das technisch ab?
Ich hatte damals einen Computer mitgebracht, der von einem Bekannter gesponsert war. So konnte der Austausch via Internet aufgebaut werden – Fotos der Kinder sowie ihrer Werke und Emails konnten so auf schnellstem Wege von Land zu Land gelangen.
Willst du die Townships von Kapstadt mal wieder besuchen?
Nach Abschluss meines Studiums war ich Anfang diesen Jahres wieder in Kapstadt. Schon im Vorfeld hatte ich meinen Besuch angekündigt, um dann vor Ort den ein oder anderen zu Gesicht zu bekommen. Und so war es dann auch, viele meldeten sich und es kam zum großen Wiedersehen. Es war wirklich toll endlich wieder zurück zu sein!
Idee und Interview: Silvia Szill
Erst sitzt ihr im Hörsaal, später lest ihr Bücher, irgendwann schreibt ihr Prüfungen. Universität bedeutet Theorie. Leider: Arbeitgeber aber wollen praktische Erfahrung. Daher fordert euch die Initiative MUT ZUR PRAXIS auf: Auch wenn das Studium länger dauert – nehmt euch Zeit für Praktika! Damit ihr wisst, was euch im Büro, in der Werkstatt, im Labor erwartet.
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An der Uni habe ich ... viel ausprobiert, um dann dort wieder zu landen, womit ich begonnen habe
Ich finde, dass Praxis ... hilft, sich über seine Stärken und Schwächen klar zu werden
Als Prakikant durfte ich ... gerne auch mal länger arbeiten und dafür morgens länger schlafen
Für meinen Traumberuf habe ich ... zum Glück (noch) nicht über Leichen gehen müssen
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