Hürde: Urlaubssemster

“Ich habe in die Trickkiste gegriffen”

Dominik A. Hahn wollte sechs Monate Praxis. Doch die Studienordnung sah keine Urlaubssemester vor. Die Lösung: eine kreative Bescheinigung seiner Professorin.

Dominik A. Hahns (l.) Praktikumsrettung: Erst die kreative Bescheinigung einer Professorin verhalf ihm zum wichtigen Urlaubssemster (Quelle: Allianz/MzP)

MUT ZUR PRAXIS: Herr Hahn, war für Sie die Universität das Sprungbrett in die Berufswelt?

DOMINIK A. HAHN: Mir war im Studium immer klar, dass ich für das, was ich beruflich machen will, außerhalb der Universität praktische Erfahrungen sammeln muss. Sonst brauche ich bei den Firmen für Jobs erst gar nicht anzuklopfen.

Aber der Weg in die Praxis war für Sie nicht einfach…

Mein Problem war, dass bei meinem Bachelor- und Masterstudiengang keine Urlaubssemester vorgesehen waren. Nur mit einem guten Argument war das möglich. Und meine Begründung ‘ich mache jetzt ein Praktikum’ war laut Studienordnung nicht ausreichend.

Woran lag das?

Meine Studienkombination der Medien- und Kommunikationswissenschaft war damals an der Universität Augsburg noch relativ neu, daher hatte die Verantwortlichen meiner Einschätzung nach noch keinerlei Erfahrung mit den Bedürfnissen der Studierenden und den Anforderungen der Wirtschaft. Nur so kann ich mir dieses Problem erklären.

Aber warum brauchten Sie überhaupt ein Urlaubssemster, konnten Sie das Praktikum nicht während der Semesterferien machen?

Das Unternehmen wollte mich nur für sechs Monate als Praktikant. Das fand ich auch gut. Ich bin generell ein Verfechter von längeren Praktika. Denn erst dann hat man wirklich die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten.

Wie sind Sie dennoch zu Ihrem Praktikum gekommen?

Ich habe dann in die Trickkiste gegriffen: Eine meiner Professorinnen war Vorsitzende des Prüfungsausschusses. Mit ihr zusammen habe ich nach einer Lösung gesucht: Sie hat mir dann eine Bestätigung geschrieben, dass mein beabsichtigtes Praktikum im direkten Zusammenhang mit meiner Masterarbeit steht. Diese Begründung, dass man ein Praktikum zur Informationsbeschaffung für eine Arbeit absolviert, war laut Studienordnung zugelassen. Zwar habe ich die Masterarbeit dann nicht in diesem Unternehmen geschrieben, aber bei einem direkten Mitbewerber. Insofern war die Begründung sogar gerechtfertigt. Allerdings erst im Nachhinein.

Also ein steiniger Weg mit Happy End…

Ja, am Ende war es dann doch nicht so schwer, das Urlaubssemester zu beantragen. Aber nur dank der Professorin, die sich für uns Studierende eingesetzt hat. Es war aber sehr nervig, dass die Bürokratie einem solche Steine in den Weg legt.

Und hat sich der Aufwand gelohnt?

Definitiv. Meine Praktika und die dadurch erworbenen Kontakte waren das Sprungbrett in die Berufswelt. Ich behaupte, dass jeder Geistes- bzw. Sozialwissenschaftler, der in die Wirtschaft möchten, ohne praktische Erfahrung kaum eine Chance hat.


von Annette Persch

4 Kommentare

  1. “Die Praxis ist das Färbemittel der grauen Theorie!” – deshalb finde ich toll, dass das Happy End zustandekam! 15Talents.com macht es allerdings ein wenig anders, denn diese Plattform vermittelt in Projekte, die mit dem Studium vereinbar sind. Falls gewünscht, berichten wir gerne auch mal ein wenig mehr darüber.

  2. bernd

    Aber wo hast Du denn das Praktikum gemacht? Und hast Du da später auch Deinen Job bekommen?

  3. Annette Persch

    @bernd: Das Praktikum, über das Dominik in dem Interview berichtet, fand bei BMW statt. Zusätzlich hat er im Jahr darauf noch ein weiteres Praktikum bei der Allianz absolviert – dort wurde er dann auch übernommen. Eben z.T. dank seiner vielen praktischen Erfahrungen.

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